Wie jedes Jahr fand auch diesen November, genauer gesagt am Samstag, den 17. November eine 24 Stunden Vorlesungsreihe der Universität Greifswald statt.

Einer der Dozenten an diesem Tag ist Eric Wallis, er ist Betreiber des Blogs Wortgucker und hielt einen Vortrag über die Sprache von Rechten und Rechtsextremisten und den Begriff Framing.

Framing bezeichnet den manipulativen Sprachgebrauch einer ideologischen Gruppe um den ideologischen Gegner zu diskreditieren. Ein Beispiel dessen ist laut Wallis das sogenannte Gefahrenframing – das eine Gefahr künstlich heraufbeschwört und einen Kontrollverlust der Bevölkerung oder einer Bevölkerungsgruppe suggeriert. Dieses Stilmittel sei besonders unter Neurechten weit verbreitet. Dabei werden Teile eines ursprünglichen Ereignisses oder eines Zitats bewusst weggelassen oder verfälscht, sodass der beschriebene Sachverhalt möglichst kontrovers erscheint.

Während der Vorlesung, bei der etwa 50 Zuschauer zugegen sind, betritt auf einmal eine Gruppe von etwa zehn Männern den Saal mit einem Spruchband. Wie sich durch das abdruckte Logo und die anschließenden Social Media Posts der Gruppe später herausstellt, handelt es sich um eine Abordnung der sogenannten Identitären.

Auf dem Spruchband steht: „Man wird doch in diesem Land noch seine Meinung sagen dürfen.“

Nachdem die Zuschauer die Aktion erst einmal für einen Witz, eine Showeinlage des Dozenten hielten, machte sich Unmut unter den Zuschauern breit und sie forderten die Gruppe lautstark auf, den Hörsaal unverzüglich wieder zu verlassen.

Der Dozent dagegen betrachtete das Schauspiel hingegen mit größerem Interesse. Nachdem die Gruppe Ihre Sprüche fertig skandiert hatte, machte sich die Gruppe, von der später ein reißerischer Twitter Post zu dieser Aktion erschien, auch schon wieder auf dem Heimweg.

Eric Wallis, der Dozent dieser Vorlesung bat jedoch die Gruppe zu bleiben und sich an der offenen Diskussion zu beteiligen. Gekränkt von der fehlenden Aufmerksamkeit zog die Gruppe jedoch freiwillig von Dannen.

Später an diesem Tag veröffentlichte die Hauptseite der Identitären in Deutschland auf Twitter einen Beitrag, in dem suggeriert wird, dass die Gruppe unter Anwendung von Gewalt aus dem Hörsaal abgeführt wurde, damit ihre Meinung nicht zum Tragen kommt.[1]

Der Großteil dieser Szene wurde aus dem Publikum heraus gefilmt[2], und belegt eindeutig, dass es nicht zur Anwendung von Gewalt kam und legt entsprechend dar, wie die Identitären in Deutschland die Meinung von Zehntausenden Menschen mit derartigen Aktionen vergiften möchte.

Besonderes Augenmerk möchte man darauf werfen, wie die Identitären Ihre Aktion für die Propaganda auf ihrer Twitter Seite nutzen. Hier werden Parallelen gezogen zu dem Stasi Regime der späten DDR unter Erich Mielke. Dass dadurch der Eindruck entsteht, bei der Vorlesung oder der Vorlesungsreihe handelt es sich in Wahrheit um eine linksradikale Veranstaltung, ist gewollt.

 

Aber auch Linke nutzen Framing für die Propaganda.

Der allgemeine Konsens der Linken in Westeuropa ist nämlich die Anwendung des von Karl Popper geschaffenen Toleranz-Paradoxon:

Es besagt, dass Uneingeschränkte Toleranz letztendlich zum Verschwinden der Toleranz führe. Die Logische Schlussfolgerung sei es, dass im Namen der Toleranz das Recht vorbehalten sei, die Intoleranz nicht zu tolerieren.

Dass dabei sich eine Spaltung der Gesellschaft vollzieht ist in diesem geschaffenen Framing nur die logische Folge.

Zurück bei Eric Wallis: Er selbst war nach eigener Aussage im Herbst 2016 im Rahmen seiner Forschung zum Thema Framing auf einer Veranstaltung der AfD. In der Nacht zuvor wurden die Scheiben der Veranstaltungsstätte eingeworfen. Das sei nach Wallis die perfekte Vorlage für ein Opfer-Framing und führt zurück zu der Störung seiner Vorlesung am 17. November und der Inszenierung der Identitären als Opfer einer linken Verschwörung.

Es hilft laut Wallis nicht, den Rechten und Intoleranten in diesem Land hunderte Seiten lange Wälzer von der Bundeszentrale für politische Bildung in die Hand zu drücken und zu bitten sie zu lesen. Am Ende helfen nur viele kleine einzelne Gespräche mit den Menschen, die zum großen Teil einer Politik der CDU/CSU, SPD und sogar der Linken den Rücken gekehrt haben. (Bei der sächsischen Landtagswahl 2014 spricht man von 20% Wählerwanderung.)

Wallis plädiert viel mehr auf das Sprecher-Hörer-Prinzip, das, wie er findet, mit fortschreitender Zeit besonders aus politischen Talkshows verschwunden ist. Denn die Auseinandersetzung mit einem politischen Gegner erfolgt nur durch gegenseitiges Verständnis und nicht durch Striktes Ablehnen der Position des Gegenübers.

 

Das ist auch der Grundsatz für politische Meinung und Diskussionen im Jugendtreff Steinhöring. Das Ausschließen eines Mitglieds oder Besuchers nur aufgrund seiner politischen Meinung kommt für den aktuellen Vorstand nicht in Frage.

Eine wichtige Kernfrage im Umgang mit Jugendlichen, die eine extreme Vorstellung pflegen, ist dennoch, wie man bei Zuspitzung oder Eskalation einer Situation umgeht.

Wir sind der Auffassung, dass ein Jugendtreff ein Ort ist für Menschen allen Geschlechts, Hautfarbe und Herkunft, sexueller Orientierung und politischen Identität und setzen uns damit für einen pluralistischen Rechtsstaat ein.

Wir haben uns dafür entschieden, jede politische Meinung und Diskussion zuzulassen, sofern Sie nicht die Integrität der Bundesrepublik Deutschland und des Freistaats Bayern, die Anwendung aller Artikel des Grundgesetzes in Frage stellt oder den Hausfrieden bedroht.

Bei Straftaten, verfassungsfeindlichen Äußerungen oder dem Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole, insbesondere nach §86 StGB und §86a StGB, verstehen wir hingegen keinen Spaß und bringen dies bei Kenntniserlangung falls nötig zur Anzeige.

[1] Beitrag der Identitären auf Twitter zu dem Vorfall: https://twitter.com/IBDeutschland/status/1063799432293089280

[2] Video der Szene: https://twitter.com/wortgucker/status/1064177745477976064


Martin Luck

Ich bin der Administrator dieser Seite und Veranstaltungsbeauftragter. Von Beruf Fachinformatiker, ist wohl klar...