Sept. 2000 – Ernst Weeber, Mitarbeiter im Wohnheim des Betreuungszentrums Steinhöring (seit 1982), wird „Stüberlwirt“, d.h. er übernimmt als seine Hauptaufgabe die Organisation und Betreuung des Antonius-Stüberls.

In der Folgezeit entdecken immer mehr Jugendliche aus dem Dorf das Antonius-Stüberl als Treffpunkt auch für sich. Hier gibt es billige Getränke, Kickern und Billard umsonst und alte Polstermöbel, auf denen man einfach nur zum Ratschen beieinandersitzen kann.

2001 – Das Neben- und Miteinander der Jugendlichen und der Heimbewohner im Stüberl gelingt nicht immer ganz ohne Reibungen. Da das Antonius-Stüberl bewußt auch als Begegnungstätte konzipiert ist, bemüht sich Ernst Weeber (im Einvernehmen mit der Heim- und BZ-Leitung) um einen intensiveren persönlichen Kontakt zu den Jugendlichen, um mehr Vertrautheit und gegenseitiges Verständnis. Es kommt zu Gesprächen mit den Jugendlichen über ihr Verhalten im Stüberl und auf dem BZ-Gelände und darüber, daß sie nicht so recht wissen, wo sie hingehen können, sich treffen und unter sich sein können, auch bei schlechtem Wetter. Die Frage, ob man in Steinhöring nicht auch ein „Jugendzentrum“ oder einen „Jugendtreff“ einrichten könnte, taucht immer wieder auf.

13. Februar 2002 – Bei der Informationsveranstaltung im Steinhöringer Gasthaus zur Post über illegale Drogen und die Drogensituation sind außer besorgten Erwachsenen, Gemeindevertretern und einem Referenten der Erdinger Kriminalpolizei auch einige interessierte Jugendliche anwesend. Ernst Weeber tritt als ihr Sprecher auf und trägt die Frage vor, ob es nicht sinnvoll wäre, sich auch in unserer Gemeinde etwas intensiver um jene Jugendlichen zu kümmern, die – aus welchen Gründen auch immer – ihre Freizeit nicht in Freizeitvereinen verbringen wollen und dadurch möglicherweise leichter in Außenseiter-Rollen geraten. Bürgermeister Max Niedermeier stimmt grundsätzlich zu.

März 2002 – Wohnheim-Mitarbeiter Burghardt Müns wird neuer „Stüberlwirt“. Ernst Weeber verlegt den Schwerpunkt seiner Tätigkeit (auf eigenen Wunsch) wieder in den Gruppendienst, bleibt aber Vertreter des „Stüberlwirts“. Der freundschaftliche Kontakt zu den Jugendlichen bleibt zwanglos erhalten.

21. März – Erste geplante Gesprächsrunde mit den jugendlichen Stammgästen im Antonius-Stüberl, einberufen von Burghardt Müns und Ernst Weeber, mit Anwesenheit des Wohnheim-Leiters Jürgen Roßmann. Anlaß sind verschiedene Beschwerden über das Verhalten Jugendlcher auf dem BZ-Gelände und im Stüberl. Die Aussprache verläuft konstruktiv. Es wird vereinbart, daß die Jugendlichen bis auf weiteres nur noch an den drei Wochentagen Donnerstag bis Samstag ins Stüberl kommen, auch zum Mittwochs-Kino sind sie weiterhin eingeladen (Mittwoch ist Ruhetag oder Kinotag). Von Sonntag bis Dienstag bleibt das Stüberl aber den Wohnheim-Bewohnern vorbehalten. An diesen Tagen können sich die Jugendlichen an den Tischen außerhalb des Stüberls aufhalten und auch Getränke im Stüberl kaufen.

Kurz nach diesem Treffen sucht dieselbe Gruppe von Jugendlichen den Bürgermeister im Rathaus auf, um mit ihm über ihre allgemeine Situation und die Frage nach einem Jugendtreff zu sprechen. Bürgermeister Max Niedermeier ist vom Auftreten der Jugendlichen positiv beeindruckt und sagt seine Unterstützung zu.

April 2002 – Bürgermeister Max Niedermeier lädt Ernst Weeber ein zu Gesprächen über die Möglichkeiten einer „offenen Jugendarbeit“ in Steinhöring und eines offenen, von den Jugendlichen selbst betriebenen Jugendtreffs.

Mai 2002
17. Mai – Max Niedermeier und Ernst Weeber diskutieren die selben Themen in einer Gesprächsrunde im Rathaus mit Pfarrer Peter J. Vogelsang, Schulleiter Rudolf Pilzweger, BZ-Leiter Anton Karl, Kreisjugendpflegerin Anja Pondorf, Gemeinderat Karl Auberger und Gemeinderätin Anita Neumeier.

Ernst Weeber nimmt Kontakt mit dem Kreisjugendring Ebersberg auf und trifft sich dort mit Michael Gößl zu einem ausführlichen Beratungsgespräch.

29. Mai – Erste geplante Gesprächsrunde zum Thema „Jugendtreff“ im Antonius-Stüberl. Ernst Weeber diskutiert mit etwa zehn Jugendlichen und drei Vertreterinnen der Jugendinitiative Grafing die Fragen: Wie stellen wir uns einen Jugendtreff vor? Was wollen wir? Wie können wir dieses Ziel erreichen? Welche Voraussetzungen sind zu schaffen, etc.

Juni 2002 – Die Gemeinderäte/rätinnen Karl Auberger (SPD), Petra Fischer-Slowik (FWG), Daniel Zimmer (CSU) und Anita Neumeier (CSU) werden von ihren Fraktionen als „Jugendbeiräte“ nominiert.

Juli 2002
18. Juli – Ca 40 Steinhöringer Jugendliche versammeln sich in der Mehrzweckhalle des Betreuungszentrums zusammen mit dem Bürgermeister Max Niedermeier und einigen Gemeinderäten, um über die Schaffung eines selbstverwalteten Jugendtreffs in Steinhöring zu diskutieren. Dabei wird gemeinsam eine erste konkrete Vorstellung von einem Jugendtreff entwickelt: ein kleiner Flachbau im Bereich des Steinhöringer Sportgeländes. Diese Vorstellung ist noch nicht ausgereift, bietet aber eine Diskussions-Grundlage für die weiteren Verhandlungen. Die Versammlung führte zu folgenden zwei Beschlüssen: 1. Der Bürgermeister bringt diese erste Idee für einen Jugendtreff bei der nächsten Gemeinderatssitzung (13. August) ein um sie mit dem Gemeinderat zu diskutieren. 2. Die Jugendlichen organisieren sich in einer „Jugendinitiative“, die in Zukunft a) weiter mit dem Gemeinderat verhandeln und b) den Betrieb eines Steinhöringer Jugendtreffs in eigener Regie übernehmen kann.

24. Juli – Konstituierende Versammlung der Jugendinitiative Steinhöring im Antonius-Stüberl. Grundsatzdiskussion über Selbstverständnis und Organisation der Jugendinitiative. Wahl der Vorstandschaft.

29. Juli – Zweite Vollversammlung der JIST (Vorstandschaft, Aktive). Fortsetzung der Grundsatzdiskussion. Themen: Gruppendynamik, Trägerschaft des Jugendtreffs, vernichtende Vorurteile in der Gemeindebürgerschaft, notwendige Öffentlichkeitsarbeit.

10. August 2002 – Dritte Vollversammlung der JIST. Hauptthema: Öffentlichkeitsarbeit. Wie kann man einer skeptischen Gemeinde-Öffentlichkeit den Sinn und Nutzen eines Jugendtreffs erklären? Argumente pro und contra. Stoffsammlung für eine geplante schriftliche Jugendtreff-Konzeption.

8./21./29. September 2002 – Vierte, fünfte und sechste Vollversammlung der JIST. Ausarbeitung der Jugendtreff-Konzeption. Themenbereiche: 1. Anlaß und Begründung für einen Jugendtreff in Steinhöring, 2. Wünschenswerte Ausstattung des Jugendtreffs, 3. Hausordnung des Jugendtreffs, 4. Verantwortung, Rechenschaft und Kontrolle, 5. Umgang mit Problemen („Gesprächskultur“), 6. Nachbarschaft und Öffentlichkeitsarbeit.

Okt. 2002 – Die ehemalige, jetzt leerstehende Diskothek bietet sich als Jugendtreff an, der Besitzer wäre bereit, sie vorübergehend an die Gemeinde zu vermieten. Allerdings müßte ein Notausgang geschaffen werden. Die erforderlichen baulichen Maßnahmen sind aber dafür, daß der Jugendtreff in absehbarer Zeit wieder ausziehen muß, zu hoch.

12. November 2002 – In der Gemeindratsitzung wird entschieden, daß 4 Bürocontainer und 1 Sanitärcontainer aus der Konkursmasse der Firma Holzmann gekauft und im Bereich des Sportgeländes als Jugendtreff aufgestellt werden.

11. Dezember 2002 – Die Bürocontainer werden antransportiert. Eine Woche später wird auch der Sanitärcontainer geliefert.

April 2003 – Der Kanalanschluß der Container ist fertig, Wasser und Strom angeschlossen. Eine Heizmöglichkeit fehlt noch, aber der Winter ist vorbei, die Sonne heizt, und mit den Putz-Aktionen kann schon mal begonnen werden.

Sommer/ Herbst 2003 – Eine Gruppe Jugendlicher beginnt mit der Gestaltung des Jugendtreffs, innen und außen. Auch wenn vieles noch einen provisorischen Charakter hat, entsteht doch „Atmosphäre“, und die aktiven Jugendlichen werden zu einem Team, das die Gründung eines eingetragenen Vereins anstrebt. Bei den wöchentlichen Teambesprechungen werden praktische und aktuelle Angelegenheiten besprochen, aber auch Grundsatzdiskussionen geführt, und die Arbeit an einer Vereinssatzung wird aufgenommen. Beratungsgespräche mit Vertretern des Kreisjugendrings finden statt, acht Team-Mitglieder nehmen an einem Wochenend-Seminar des KJR teil. Ein provisorischer, aber in Eigenregie funktionierender Betrieb des „Jugendtreff Steinhöring“ – JUTS – spielt sich ein. Leider kommt es bei zwei größeren Feiern zu unkontrollierten Situationen – nächtliche Ruhestörung, Unrat, Beschädigungen – die das öffentliche Ansehen des Jugendtreffs schwer belasten.

12.-14. September 2003 – Acht Team-Mitglieder absolvieren ein Jugendleiter-Seminar des Kreisjugendrings.

15. Oktober 2003 – In die bislang unbeheizten Container werden elektrische Heizkörper installiert. Als Vorstände werden gewählt: Nils Jürgensen (1. Vorstand), Vroni Pfleger (2. Vorstand), Christoph Stadler (Schriftführer), Armin Dressel (Kassier), Benny v.Pfaler (Theke), Emanuel Kaminsky (Beisitzer), Simran Stadler (Beisitzer)

17. November 2003 – Durch Beschluß des Gemeinderates wird der JUTS vorübergehend geschlossen. Grund: die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen für den selbständigen Betrieb des JUTS sind noch nicht ausreichend geschaffen, der provisorische Betrieb in der bisherigen Form kann nicht weiter verantwortet werden. Der Jugendtreff soll wieder geöffnet werden, wenn der Verein gegründet ist und die Trägerschaft für den JUTS offiziell übernehmen kann.

Januar 2004
12. Januar – Besprechung im Rathaus, einberufen vom Bürgermeister. Teilgenommen haben M. Niedermeier, E. Weeber, einige Gemeinderäte, drei Vertreter des Forstinninger Jugendtreffs „Culture Club“ und Ingo Renner, der Jugendbetreuer der Gemeinden Forstinning und Anzing. Zum zweiten Teil des Gespräches kam auch die Vorstandschaft des JUTS dazu. Das Wesentliche bei diesem Treffen war dann auch der Austausch zwischen dem Steinhöringer JUTS-Vorstand und den Gästen aus Forstinning, der sich auch für die Gemeinderäte als aufschlußreich erwies.

31. Januar – Versammlung in der Schul-Aula, einberufen vom Bürgermeister, der den dazu eingeladenen Jugendlichen und Eltern anhand einer Nutzungsvereinbarung und einer Hausordnung seine Vorstellung von einem Jugendtreff erläutert. – Nach dieser Versammlung in der Schul-Aula trafen sich die JUTS-Aktiven und andere Jugendliche zur Aussprache im JUTS. Mit dabei waren auch Ingo Renner (Jugendbetreuer aus Forstinning/Anzing) und zwei Steinhöringer Gemeinderäte. Es wurde beschlossen, schon am kommenden Wochenende die Gründung eines „Vereins Jugendtreff“ in die Wege zu leiten. Dazu wird ein vorbereitendes Diskussionsforum für alle interessierten Jugendlichen einberufen.

Feb. 2004
7. Februar – Jugendforum im JUTS zum Thema: Neuanfang im JUTS – Wie stellen wir uns den JUTS vor? – Es kamen 26 Jugendliche, die an einer aktiven Mitwirkung interessiert waren. Bei diesem Treffen ging es vor allem um das inhaltliche Konzept: Gestaltung des Jugendtreffs innen und außen, Öffnungszeiten (speziell auch für „kiddies“), regelmäßige Programme etc.; Ideen und Vorstellungen wurden in Kleingruppen formuliert und dann dem Plenum vorgetragen. Es zeigte sich, daß die Aktiven des JUTS keine Anfänger mehr waren: die Aussprache verlief konzentriert und diszipliniert, und die vorgebrachten Konzepte erwiesen sich als konsensfähig – man merkte es ihnen an, daß sie aus den Erfahrungen des letzten halben Jahres erwachsen waren.

21. Februar – Gründungsversammlung des Vereins „Jugendtreff Steinhöring“ (im JUTS).

6. März 2004 – Vorstandswahl; gewählt wurden: Benny v. Pfaler (1. Vorstand), André Dobmeier (2. Vorstand), Jacqueline Mair (Schriftführerin), Malik Kühne (Kassenwart), Emanuel Kaminsky (Thekenbeauftragter), Armin Dressel (Beisitzer), Meike Maier (Beisitzerin) sowie Vroni Pfleger und Alessandro Kaminsky als Revisoren.

 

Zuletzt ein  Bild von Sommer 2004: